Mit uns reden – nicht über uns! => Beirat von AutistInnen in staatlich finanzierten Autismus-Organisationen

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Es gibt sie schon, und sie sind etabliert bei uns: Elternbeiräte in Kitas und Schulen, Heimbeiräte und Pfarrgemeinderäte … Bei allen geht es um Interessenvertretung, häufig aber auch um die Förderung der jeweiligen Einrichtung durch ehrenamtliches Engagement, Spenden …

Nur bei staatlich finanzierten Autismus-Organisationen wie z.B. autKom (Autismus Kompetenzzentrum Obb.) scheint sich dies noch nicht herumgesprochen zu haben, nicht verpflichtend zu sein.

Aber auch Autisten brauchen eine Interessenvertretung in diesen Organisationen. Und auch diese Organisationen brauchen Unterstützung

Deshalb die Forderung einer verpflichtenden Einrichtung von Beiräten in staatlich finanzierten Autismus-Institutionen, besetzt mit unabhängigen AutistInnen.

Weil

- zum einen, wie die Erfahrungen mit dem "Autismus Kompetenzzentrum" zeigen, Organisationen dazu neigen, den eigentlichen Zweck aus den Augen zu verlieren und sich zunehmend nur um ihren Selbsterhalt kümmern.

- zum anderen AutistInnen durch falsche Informationen in der Öffentlichkeit Schaden entsteht.

- zudem eine kritische Hinterfragung von Inhalten und Zielen leicht verloren geht, aber kontinuierlich notwendig ist.

- die Förderung von hilfsbedürftigen AutistInnen jede nur verfügbare Unterstützung brauchen kann.

- Inklusion nicht nur bei anderen (z.B. SAP) gelobt, sondern auch in der eigenen Institution umgesetzt werden sollte.

- "Empowerment" statt paternalistischer Bevormundung das Ziel sein sollte. (siehe Quellen unten)


Was könnte ein Beirat aus Betroffenen denn bewirken? Wozu wäre er gut?
Am Beispiel des "Autismus Kompetenzzentrums":

1.) Zielformulierung

a) Mit uns reden – nicht über uns
b) Mit uns forschen – nicht über uns
c) Mit uns planen – nicht über uns hinweg

 

2.) konkrete Umsetzung

zu a)
Ermutigung und Befähigung z.B. der Teilnehmer der Autisten-Selbsthilfegruppe, die ReferentInnen zu Vorträgen über Autismus zu begleiten.
Dies würde dazu führen, dass mit Autisten und nicht über sie geredet wird.
Es wäre mit Sicherheit eine Bereicherung für die Zuhörer, für die ReferentInnen und die AutistInnen selber.
Wahrscheinlich wird daraus ein gesteigertes Interesse an Weiterbildung entstehen. => b.)

- …

zu b)
- Initiierung einer gemischten Studiengruppe aus NT´s und AutistInnen z.B. für MOOC´s ( http://coursera.org http://udacity.com …) Fernuni Hagen

- Zielformulierung, dass es spätestens in 6 Jahren autistische ReferentInnen mit abgeschlossenem Studium bei autKom gibt.

- Zielformulierung, dass NT-WissenschaftlerInnen zusammen mit autistischen WissenschaftlerInnen über Autismus forschen und publizieren.
Bisher gibt es entweder NT-WissenschaftlerInnen, die (pseudo-)wissenschaftliche Bücher über Autisten schreiben, oder AutistInnen, die Lebensberichte schreiben. Und die Kombination, wo NTs ihre (pseudo-)wissenschaftlichen Bücher mit Zitaten aus Lebensbeschreibungen von AutistenInnen garnieren.
AutistInnen dürfen bisher als WissenschaftlerInnen vielleicht über Kühe Bescheid wissen … mehr aber auch nicht.

- …

zu c)
- Diskussion mit Betroffenen über Angebot, Planung und Durchführung von Hilfsangeboten.

- …

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Anhang Quellen zum Thema

Probleme in Institutionen

aus "Margret Wetherell – Identities, Groups and Social Issues"
"In any group of individuals that gather together for a stated purpose there will exist a conscious, task-oriented group and an underlying, unconscious group; the function of this underlying group may be in conflict with the requirements of the task. …"
Or: " Institutional defences have their effect, in part, by reducing opportunities für conscious reflection. …"

"Isabel Menzies Lyth: Social Systems as a Defense Against Anxiety"
http://www.moderntimesworkplace.com/archives/ericsess/sessvol1/Lythp439.opd.pdf

"Empowerment statt paternalistischer Bevormundung" :

Autismus – Neues Denken – Empowerment – Best-Practice von Georg Theunissen und Henriette Paetz
http://www.amazon.de/Autismus-Neues-Denken-Empowerment-Best-Practice/dp/3170214829

http://www.rainman.at/forschung/download/Autismus-Empowerment-theunissen.pdf

http://w3.autismus.de/media/Lebenslang.Lernen-Autismus-Endversion.pdf

kritische Rezension
http://www.socialnet.de/rezensionen/9922.php

 

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