“Autismus Aktivist” oder “house Negro”?

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Der "house Negro"-Effekt, wie ich ihn nenne, ist leider bisher nicht wissenschaftlich (sozialpsychologisch) untersucht worden. Dies alleine ist schon bemerkenswert.
Meine Grundhypothese lautet, dass es in jeder unterdrückten Gruppe Individuen geben wird, die aufgrund geringer Vorteile materieller oder narzisstischer Art, sich von Ihresgleichen entsolidarisieren und dafür mit den Unterdrückern solidarisieren. (Wird dann häufig "Brücken bauen" oder ähnlich schönfärberisch genannt.)

Es ist egal, ob sie "house Negro" (siehe unten Auszug aus der Rede von Malcom X), Kapo, Blockwart oder Barackenälteste sind – es wird sie immer geben!

Was während der Sklaverei auf den Plantagen der USA der "house Negro" war, sind im Bereich Autismus zur Zeit leider oft die Aktivisten, die "Selbstvertreter".
Die wortwörtlich sich und ihre eigenen Interessen vertreten – und nicht stellvertretend die der "Feld Autisten".
Die durch narzisstisch motivierte Pseudo-Kritik an ABA etc. (z.B. durch einen "offenen Brief an die EU" ohne ausreichende Legitimation oder Qualifikation) und Pseudo-Hilfe (z.B. autworker, die durch minimale Problemlösung das Grundproblem zementieren) den Erhalt des "Status Quo" betreiben.
Die kein Interesse haben an einem Wandel, einer Befreiung, einer Beteiligung aller. Denn sie sind ja die "Haus Autisten".

Was bei den "house Negroes" das Wohnen im Master-House, gute Kleidung und Essen war, ist in der Autismusszene akutell die Erlaubnis zum Darlegen bzw. Präsentieren der "Innensicht".
Es sind dann immer die gleichen "Aktivisten", die vornehmlich zur Befriedigung ihrer narzisstischen Bedürfnisse immer die gleichen Klagen führen – anstatt etwas zu verändern.
Die die Probleme der Vielen übersehen, die Sorgen und Nöte der Mehrheit der Autisten, ihrer Eltern …

Und eben nicht an konstruktiven Lösungen und Hilfen arbeiten, die keine Antworten haben auf die drängenden Fragen der Vielen – ja nicht einmal danach suchen.
Und zum Erhalt des eigenen Status Quo auch Erkenntnisse unterdrücken, die einen Wandel herbeiführen und Antworten geben würden.
Kritische Beiträge in Blogs und Foren entweder löschen oder nicht freischalten. Abweichende Meinungen unterdrücken und so Gewalt ausüben.
Die sich festklammern an einer defizitorientierten "Diagnose", obwohl diese nicht valide ist. Und trotzdem gleichzeitig für "Neurodiversität" eintreten.

Der nächste wichtige Schritt müsste sein, zu erkennen und zuzulassen, ja zu fördern, dass Autisten aufgrund ihrer "autistischen Intelligenz" nicht nur Innensichten, sondern auch eine neue Außensicht entwickeln und beitragen können.
Dass gerade Autisten dazu geeignet sind, der "pretend science" ein Ende zu bereiten … und damit auch "pretend help" und "pretend inclusion".
Aber "so weit sind wir in Deutschland noch nicht" – heißt es dann … auch und gerade von den "Haus Autisten".

Es geht darum, dass NT-Menschen nicht länger die "Außensicht" alleine für sich beanspruchen und damit die Festlegung z.B. der Diagnosekriterien, einer defizitorientierten Wahrnehmung von Autismus überhaupt.
Autisten dürfen bisher ein wenig "Innensicht" beitragen – als "Folklore".
Einem "Empowerment" und wirklicher Inklusion steht das entgegen!

Und die wenigen Autisten, die in den "Genuss" kommen überhaupt gehört zu werden, sollten zumindest reflektieren, ob sie nicht die privilegierten "Haus Autisten" sind – im Unterschied zu den "Feld Autisten".
Also diejenigen, die letztlich zur Diskriminierung und Ausgrenzung beitragen – so wie zu Zeiten der Sklaverei die "Haus Neger" (habe hier bewußt den historisch korrekten Begriff gewählt – nicht den politisch korrekten) im Unterschied zu den "Feld Negern".
Zumindest in der zahlenmäßigen Verteilung gibt es doch große Parallelen!

Die "Selbstvertreter" und "Innensichtler" sollten sich also durchaus selbstkritisch fragen, ob sie sich nur selber vertreten und eben nicht die ca. 800.000 Autisten in Deutschland?!
Ob sie wirklich zur Verbessung der (Entwicklungs-)Möglichkeiten von Autisten beitragen?
Oder doch nur zur Erhaltung des bestehenden Systems?
Ob sie Antworten auf die dringendsten Fragen entwickeln?
Oder sich nur selber darstellen?

Zum Begriff "house Negro" ein Auszug aus der Rede von Malcom X "Message to Grassroots" (1963):

"To understand this, you have to go back to what [the] young brother here referred to as the house Negro and the field Negro – back during slavery. There was two kinds of slaves.
There was the house Negro and the field Negro. The house Negroes – they lived in the house with master, they dressed pretty good, they ate good ’cause they ate his food -
what he left. They lived in the attic or the basement, but still they lived near the master; and they loved their master more than the master loved himself. They would give their life
to save the master’s house quicker than the master would. The house Negro, if the master said, "We got a good house here," the house Negro would say, "Yeah, we got a good house here." Whenever the master said "we," he said "we." That’s how you can tell a house Negro.
If the master’s house caught on fire, the house Negro would fight harder to put the blaze out than the master would. If the master got sick, the house Negro would say, "What’s the matter, boss, we sick?" We sick! He identified himself with his master more than his master identified with himself. And if you came to the house Negro and said, "Let’s run away, let’s escape, let’s separate," the house Negro would look at you and say, "Man, you crazy. What you mean, separate? Where is there a better house than this? Where can I wear better clothes than this? Where can I eat better food than this?" That was that house Negro. In those days he was called a "house nigger." And that’s what we call him today, because we’ve still got some house niggers running around here.
This modern house Negro loves his master. He wants to live near him. He’ll pay three times as much as the house is worth just to live near his master, and then brag about "I’m the only Negro out here." "I’m the only one on my job." "I’m the only one in this school." You’re nothing but a house Negro. And if someone comes to you right now and says, "Let’s separate," you say the same thing that the house Negro said on the plantation. "What you mean, separate? From America? This good white man? Where you going to get a better job than you get here?" I mean, this is what you say. "I ain’t left nothing in Africa," that’s what you say. Why, you left your mind in Africa.
On that same plantation, there was the field Negro. The field Negro – those were the masses. There were always more Negroes in the field than there was Negroes in the house.
The Negro in the field caught hell. He ate leftovers. In the house they ate high up on the hog. The Negro in the field didn’t get nothing but what was left of the insides of the hog.
They call ’em "chitt’lin’" nowadays. In those days they called them what they were: guts.
That’s what you were – a gut-eater. And some of you all still gut-eaters.  
The field Negro was beaten from morning to night. He lived in a shack, in a hut; He wore old, castoff clothes. He hated his master. I say he hated his master. He was intelligent. That house Negro loved his master. But that field Negro – remember, they were in the majority, and they hated the master. When the house caught on fire, he didn’t try and put it
out; that field Negro prayed for a wind, for a breeze. When the master got sick, the field Negro prayed that he’d die. If someone come [sic] to the field Negro and said, "Let’s
separate, let’s run," he didn’t say "Where we going?" He’d say, "Any place is better than here." You’ve got field Negroes in America today. I’m a field Negro. The masses are the field Negroes."

Quelle: http://www.asdk12.org/staff/miller_roger/pages/US_History/Civil%20Rights/Message%20to%20Grassroots,%20Malcom%20X.pdf

 

 

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