Alles über Autismus?

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"Alles über Autismus" ist für ein Buch schon ein recht großspuriger Titel, wenn man die Menge an Veröffentlichungen aller Art über dieses Thema bedenkt.
So ist einem wohl von Anfang an klar, dass man sich mit einer gewissen Auswahl wird zufrieden geben müssen.

Neben dem Buch betreibt der Herausgeber Michael Schmitz auch die Website "autismus-buecher.de".
Beide Veröffentlichungen, die von Buch und Internetseite, können auf den ersten Blick zwei Gründe haben:
1.) Der Wunsch über Autismus möglichst umfassend zu informieren, oder
2.) wirtschaftliche Beweggründe – also das Verdienen von Geld.

Bei beiden Veröffentlichungen jedoch fehlen zwei wichtige Bücher über Autismus – meine.
Weder "Autismus verstehen" noch "Hilfen für Autisten?" werden erwähnt.
Obwohl beide Michael Schmitz bekannt sind (Band 1 nachweislich – siehe unten).
Bei seinem Buch "Alles über Autismus" wäre das noch durch eine zeitliche Überschneidung evtl. zu entschuldigen – bei der Internetseite aber nicht.

Was mag also der Grund sein, diese beiden Bücher nicht zu nennen? Dabei wäre doch die Nennung mit beiden Motiven (Information und Geldverdienen) auf den ersten Blick nicht nur gut vereinbar, sondern geradezu notwendig.

Doch bei meinen beiden Büchern geht es um einen Paradigmenwechsel, um eine vollkommen neue Perspektive.
Eine Sicht nicht unter dem theoretischen Gerüst der Kognitions- sondern der Sozialpsychologie.
Nicht mehr defizitorientiert – sondern alle Aspekte von Autismus betrachtend.
Und das mit konkreten Hinweisen auf Hilfsmöglichkeiten für Autisten.
Wissenschaftlich fundiert und mit besten Referenzen.

Doch neben seiner Tätigkeit im Verlagswesen arbeitet Herr Schmitz auch bei "SALO Holding AG, Hannover", einer Firma, die sich auch der Förderung von Autisten verschrieben hat – aber dies unter einer sowohl kommerziellen als auch traditionell defizitorientierten Perspektive.

Könnte also das wirtschaftliche Interesse dazu führen, dass das neue Autismus-Paradigma nicht erwähnt wird?

Gesicherte Erkenntnis ist aber auf jeden Fall, dass "Alles über Autismus" und "autismus-buecher.de" bisher eben nicht alles über Autismus bieten – ja die wichtigsten Ansätze sogar fehlen.

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Betreff:     AW: Buch "Autist und Gesellschaft – Ein zorniger Perspektivenwechsel. Band 1: Autismus verstehen"
Datum:     Tue, 17 Mar 2015 19:42:09 +0100
Von:     autismus@t-online.de <autismus@t-online.de>
Antwort an:     autismus@t-online.de <autismus@t-online.de>
An:     ASPIErin <info@aspie-rin.info>

Hallo Herr Schmidt,

beeindruckendes Werk. Ich wünsche Ihnen, dass Sie engagierte Diskussionspartner finden, die sich mit Ihren Thesen auseinandersetzen.

Alles Gute.


Mit freundlichen Grüßen

Michael Schmitz
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www.autismus-buecher.de
Twitter: @autismusbuecher
www.radtouren4u.de
Verlagsprogramm: www.radundsoziales.de

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Michael Schmitz schrieb dazu am 04.11.2015 mit der Bitte, es hier zu veröffentlichen:

Sie denken eher schlecht über die Welt und kommunizieren das auf eine Art, wie der Bürgermeister [Schmitz bezieht sich auf einen Artikel von OB Heitmeier im Reichenhaller Tagblatt http://nachtblatt.de/pdfhofblattpolis/ob-tagblatt.pdf ] es ja schon beschrieben hat. Diese Art der Kommunikation ist keine Grundlage für einen konstruktiven Dialog, sondern lässt jeden das Weite suchen. Natürlich ist das autismusbedingt, aber ohne die notwendige Selbstreflexion werden Sie mit niemandem in einen schriftlichen Dialog eintreten können, weil alle sich verletzt fühlen.

Es wimmelt von Vermutungen, Unterstellungen, schlechten Gedanken und negativen Mutmaßungen. Sie sollten Gesprächsrunden suchen, möglicherweise diskutieren Sie anders.

Ihre Bücher haben trotzdem gute Bewertungen bei Amazon bekommen. Das lässt mich vermuten, dass die Bücher in einem anderen Stil geschrieben sind, als Ihre Blogposts. Und möglicherweise lese ich sie ja auch noch mal. Meine Rezensionen haben natürlich nicht den Anspruch, alle Bücher dieser Welt abzudecken und besprochen zu haben. Aber keiner der nichtbesprochenen Buchautoren hält seine Bücher für das Wichtigste auf dem Markt und deshalb meine Übersicht für völlig unzureichend. Das ist schon eine mutige und verwegene Aussage.

 

Meine Antwort am 05.11.2015:

Wenn ich die Welt für schlecht halten würde – nein, dann würde ich mich nicht so engagieren.
Die von Michael Schmitz angegegriffene Art der Kommunikation bringe ich nur denen entgegen, die entweder wie im Beispiel OB Heitmeier der Demokratie oder wie im Fall "Haus Autisten" der Hilfe für Autisten im Wege stehen.
Die von Schmitz genannten "niemand" und "alle" bezüglich Kommunikation beziehen sich also nur auf meine "Gegner".

Vor dem Wechsel in diesen Kommunikationsmodus stehen vorher aber immer wiederholte freundliche Bemühungen um Kontakt und Dialog, so wie bei autKom OBB, auch bei Herrn Schmitz, … auch z.B. bei Prof. Dr. Dr. Vogeley, bevor ich die Rezension zu seinem Buch "Anders sein" geschrieben habe …

Doch gerne gebe ich auch offen zu, dass ich der schlimmste und böseste Mensch der Welt bin – daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt.

Aber das ändert nichts an der Sachebene – von der leider nur allzu häufig versucht wird abzulenken durch Angriffe auf mich.

Die wichtigen Fragen jedoch sind und bleiben:

1.) Wieviele der geschätzten 80.000 Autisten in Deutschland verzweifeln gerade an ihrem Leben, weil die Umwelt sie nicht versteht, sie ausgegrenzt und marginalisiert werden?
2.) Wieviele stecken gerade in einer tiefen Depression?
3.) Wieviele stehen kurz vor einem Suizid?
4.) Wieviele sind bei Psychotherapeuten in Behandlung, die von Autismus keine Ahnung haben?
5.) Wieviele autistische Kinder werden gerade mit ABA gequält? Erhalten nicht die Förderung und Hilfen, die möglich wären?
6.) Wieviele Eltern autistischer Kinder sind gerade der Verzweiflung nahe, weil sie ihren Kindern helfen wollen, aber keiner hat Antworten auf die drängenden Fragen?

Und daraus resultieren die Fragen an alle Autismus-Vereine und -Vertreter
1.) Werden wir unserer Verantwortung gegenüber den o.g. Menschen gerecht?
2.) Ist das Verbreiten von falschen bzw. unwichtigen Informationen hilfreich oder nicht sogar schädlich?
3.) Wie schuldig machen wir uns am Leid der Menschen durch das Unterdrücken von hilfreichen Informationen?
4.) Suchen wir genug nach besseren Antworten, Hilfsangeboten, …?
5.) Sind wir mutig und verwegen genug?

Und zum Schluss: Es greifen mich die an, die meine Bücher NICHT gelesen haben! Aber wie wollen diese die Bücher und darin erläuterten Theorien beurteilen können?

Herr Schmitz – erst lesen – dann kritisieren!

Die Lektüre zumindest eines Teils der über 60 Ausgaben POLIS in 5 Jahren mit Auflagen bis 7.000 Stück in einem Ort mit 16.000 Einwohnern, mit über 20 "ehrenamtlichen" Auslagestellen … hätte Sie auch dort zu einer anderen Beurteilung geführt!

Das Gedicht eines Lesers zum Ende von POLIS:

Danke

Leider ist es nun soweit:

POLIS ist Vergangenheit.

Das Blatt bracht’ Farbe in die Stadt.

Ohne POLIS wird es fad.

Was haben wir in all den Jahren

Doch dank POLIS nur erfahren.

Auch manches off’ne, klare Wort

War gut für unsern schönen Ort.

Schade – das ist nun vorbei:

Ab morgen gibt es Einheitsbrei.

Die Mienen mancher Offizieller

Werden plötzlich wieder heller.

Wir aber woll’n in diesen Tagen

Nochmals herzlich „danke“ sagen.

Herr Schmidt, wir wünschen Ihnen Glück

Und schau’n auf POLIS gern zurück.

(PP)

 

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Aber eigentlich, wurde mir gerade mitgeteilt, hätte ich DAS hier veröffentlichen sollen – sorry, der Stress … aber die Arbeit an Band 3 "Gesellschaftskritik" sowie "Autist und Psychotherapie" fordert genauso Tribut wie mein Geschäft:

 

Antwort von Michael Schmitz von www.autismus-buecher.de

 

Auf die Frage "Welche Gründe kann es für dieses Engagement geben" liefere ich gern meine Antwort:

Eigentlich wollte ich nur ein Fachbuch lesen, von „der Frau mit den Rindern“  – auf Empfehlung einer Freundin, die wusste, dass ich im Rahmen meiner Arbeit mit dem Thema Autismus zu tun habe. „ Es ist ein altes Buch“, fügte sie noch hinzu. ‚Ok‘, dachte ich mir, ‚kein Problem. Besorg ich mir bei Ebay oder Amazon‘. Aber Preise von über 100 Euro für ein altes Buch? Temple Grandins deutsche Bücher sind wahre Raritäten, und es dauerte lange, bis ich eines preisgünstig erwerben konnte. „Durch die gläserne Tür“ heißt das Buch und war spannend, lehrreich und unglaublich fesselnd: Ich war begeistert.

Seit einer Weile programmiere ich meine Bücher als eBooks und so entstand der Plan, die teuren Grandin-Bücher als eBooks preisgünstig für jedermann anzubieten. Viele Emails und Verträge später verlege ich nun alle Bücher von Temple Grandin für den deutschsprachigen Raum als eBook – und inzwischen auch gedruckt.

Nachdem ich mich in das Thema und die Literaturauswahl eingelesen hatte, fielen mir noch zahlreiche weitere Bücher auf, die eine Neuauflage verdienten. Erst als eBook – dann gedruckt; erst bekannte Autoren, dann auch Neue. Nebenbei las ich viele Fachbücher, die ich gern für andere Menschen zusammenfassen wollte. Auch das wurden immer mehr und so entstand das Buch "Alles über Autismus: Bücher, Rezensionen, Filme, Blogs". (Alles über Autismus, S. 117).

Übrigens: Bücher, Rezensionen, Filme, Blogs im Buch sind alle über Autismus. So ist das gemeint, aber man kann es natürlich auch anders verstehen, wenn man möchte.

 

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