Ein paar Worte zu Denise Linke


Denise Linke ist zur Zeit sehr präsent in den Medien. Dort berichtet sie über "ihren" Autismus. Das ist erst mal gut und wichtig.
Denn so wird sichtbar, dass es auch weibliche Autisten gibt, was lange übersehen wurde.
Auch wird die Bedeutung von Hypersensibilität für die Entstehung von Problemen und Alltagshindernissen deutlich in der Darstellung von Frau Linke.

Aber:
Autismus ist nicht einfach die Kombination aus ADHS und Hypersensibilität!
Und Autismus bedeutet nicht für alle Autisten ein so "wunderbares Leben" wie für Frau Linke.
Wenn Autisten z.B. sehr häufig zu Mobbingopfern werden, dann nicht wegen ihrer Hypersensibilität.

Und ja, die Reduzierung von Reizen ist wichtig, auch das Erlernen von Bewältigungsmechanismen im Umgang mit Reizen.
Das alles macht aber vielleicht 30% der Probleme von Autisten aus!


Zum Verständnis und auch zur Hilfe notwendig dagegen ist die neue, sozialpsychologische Perspektive.
Versteht man Autismus als "Beeinträchtigung der unbewussten Gruppenkommunikation und -Interaktion", dann wir deutlich:
- warum Autisten gemobbt werden.
- warum sie ohne "Autopilot" viel mehr Energie brauchen und sich schlechter orientieren können.
- warum das Umfeld und die Mitmenschen oft als irrational und unvorhersehbar handelnd wahrgenommen werden.
- wie zusätzlich Angst und Stress als Ursache für viele Begleiterkrankungen entstehen.
70% von dem, was Autismus also wirklich ist, fällt bei der Darstellung von Denise Linke unter den Tisch. Hier besteht dringender Korrekturbedarf bei Frau Linke, wenn sie der aus ihrer Medienpräsenz entstehenden Verantwortung gerecht werden möchte.

Mehr zur neuen sozialpsychologischen Perspektive steht hier:
 http://autismusberatung.info/autismus-verstehen

Update 29. Februar 2016:
Die Antwort von Frau Linke lautete:
"Da Sie mein Buch nicht gelesen haben, offensichtlich nicht einmal die Kapitelnamen, kann ich das nicht ernst nehmen."

Eine mehr als merkwürdige Einstellung. Die Kritik will Frau Linke nicht ernst nehmen, weil ihr der Kritiker nicht passt …


Dabei geht es ja nicht um das Buch von Frau Linke (auch wenn ich einen Teil des Titels zitiert habe) sondern um die Darstellung von Autismus durch Frau Linke in Zeitungsartikeln bzw. "visual Story" wie http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/asperger-autismus-leben-ohne-filter-a-1074355.html
Unerwähnt von Frau Linke bleibt in ihren Medienauftritten fast immer, dass
- mehr als 2/3 Autisten keine (adäquate) Beschäftigung finden
- die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Autisten stark reduziert ist
- Autisten ein stark erhöhtes Sterblichkeitsrisiko haben
- viele Autisten Mobbing, Ausgrenzung und Marginalisierung erfahren
- …
Die Kombination aus mangelnder Kritikfähigkeit, der Entsolidarisierung und ausführlicher Selbstdarstellung statt Selbstvertretung (die auch die Vertretung der Bedürfnisse und Anliegen anderer Autisten einschließen würde) folgt leider dem Muster der von Narzissmus getriebenen "Haus Autisten" http://aspie-rin.info/?p=402 .
Diese sind nicht nur keine Hilfe für die Autisten, die nicht in der Öffentlichkeit stehen und nicht soviel Glück gehabt haben, sondern stehen einer Verbesserung im Wege!