Vogeley, Kai

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Prof. Dr. Dr. Kai Vogeley hat ein Buch geschrieben mit dem Titel “Anders sein: Asperger-Syndrom und Hochfunktionaler Autismus im Erwachsenenalter – Ein Ratgeber”.


Dies steht in der Reihe der ausufernden Anzahl an (schlechten) Neuerscheinungen zum Thema Autismus im allgemeinen und Asperger im speziellen.


Auch das Buch von Prof. Dr. Dr. Vogeley ist nicht gut, was ich in der Rezension auf Amazon zum Ausdruck gebracht habe:


“Prof. Dr. Dr. Vogeley konzentriert sich im wesentlichen auf die "Bug"-Seite der Aspie-Medaille.

So wie auch der hier rezensierende und von Vogeley mehrfach zitierte Autor eines Aspie-Buches "Lasse von Dingens".


Das Asperger Syndrom ist aber "Bug" und "Feature" zugleich.

So wird man ihm nur gerecht, wenn man sowohl die "Bug" als auch die "Feature"-Seite des Asperger-Syndroms berücksichtigt.

Und zwar zum einen als persönliche Entwicklung des Aspies und zum anderen abhängig von der Umwelt, der Gesellschaft.

Wenn diese Entwicklung gut verläuft, persönlich wie auch im Kontakt zu den (hoffentlich toleranten) Mitmenschen, wird sich bei Menschen aus dem Asperger-Spektrum die "Bug"-Seite verringern und die "Feature"-Seite entwickeln.


Gleichzeitig sollte die gesellschaftliche Seite ruhig auch in Frage gestellt werden!

Bloß weil die Mehrheit unserer Gesellschaft keine Aspies sind, dabei auf Interaktionskompetenz im Sinne von "Small-talk" mehr Wert legt als auf fachliche oder mitmenschliche Kompetenz, dann muss das noch lange nicht gut und richtig sein.

Weil Aspies heftiger auf Reizüberflutung reagieren als NT's heißt das nicht, dass die Reizüberflutung unserer sich als "Lebens-Surrogat-Extrakt" definierenden Gesellschaft gut ist und die Aspies das Problem haben.

Dass (gesellschaftlich ritualisierte) Lüge wichtiger ist als Ehrlichkeit – ist das wirklich das Problem der Aspies?


Kurzum, die Darstellung von Vogeley ist einseitig, in keiner Weise systemisch gedacht und auch nicht mit dem Hauch eines gesellschaftskritischen Ansatzes versehen.


Persönlich habe ich als Aspie in den letzten 20 Jahren 11 Menschen in extremen Ausnahmesituationen über Monate und teilweise Jahre begleiten dürfen. In Situationen, in denen die "vielen guten Freunde" auf einmal weg waren, "Small-talk" keinen Sinn mehr machte …

In diesen Extremsituationen (wie z.B. bei schwerer, unheilbarer Krankheit) zeigt sich die wahre Fähigkeit zu Empathie, Kommunikation … die in unserer Gesellschaft leider weitestgehend verloren gegangen sind.

Aspies sind nicht die besseren Menschen, aber auch nicht die schlechteren.

Und Aspies haben dieser Gesellschaft einiges zu sagen.


Ich leide nicht unter Asperger, sondern (wenn überhaupt) unter der Intoleranz und Ignoranz meiner Mitmenschen.

Und unter Büchern wie dem von Prof. Dr. Dr. Vogeley, die Dinge versprechen, die sie nicht halten, und Hoffnungen auf Erkenntnis wecken, die sie nicht erfüllen.”