1999 Kein Prinzip …

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Aus
B. Einhart 1999
"Kein Prinzip und keine Hoffnung"

 

Ungeduld und Trägheit
sind uns verfeindete
Geschwister.
Die Ungeduld läßt uns zu früh
das Falsche tun,
die Trägheit zu spät
das Richtige.

 

Nicht der Zweck heiligt
unsere Mittel,
sondern allein unsere Schwäche.
Ein guter Zweck ist genauso
mit guten Mitteln zu erreichen,
wie eine richtige Entscheidung
mit guten Argumenten zu
begründen ist.

 


Ständige Selbsterniedrigung
und Selbstaufopferung
sind die schlimmsten Formen
des Hochmuts.

 

Kaum ein Irrtum wirkt
verheerender als der,
es könne Menschen zu
gut gehen.
Nein, sie können nur zu
träge und feige sein.
Armut ist kein Wert an sich.

 

Es ist Mode geworden,
zu zweifeln,
Mit dem Zweifel entfernt
man die unbequemen
Wahrheiten. Und wenn
dann der Zweifel selber
unangenehm wird, findet
man schnell einfache
Überzeugungen.

 

Nicht die Probleme eines
Menschen verdienen
Bewunderung,
sondern allein der mutige
Umgang mit ihnen.

 

Wie die Kerze dem Lampion
seinen Glanz und Schönheit
verleiht, so die Seele dem
Körper des Menschen.

 

Eine besondere Zuneigung
hege ich für Münchhausen.
Nach dem Verlust eines
festen Punktes außerhalb
von uns bleibt nichts anderes,
als uns immer wieder an den
eigenen Haaren aus dem Sumpf
zu ziehen.

 

Zeit heilt vielleicht
manche Wunde, aber
niemals irgendwelchen
Wahnsinn.

 

Die Menschen sind heute
nicht verrückter als
vorherige Generationen,
sie haben nur mehr Zeit,
ihren Wahnsinn zur Blüte
zu bringen.

 

Verzeih´ ihnen, Herr,
denn sie wissen, was
sie tun.

 

Der kleine Narr tut das Gute
in der Hoffnung auf Belohnung,
der große in dem Wissen, daß
diese bestenfalls aus einem
Tritt ins Gesäß besteht.

 

In seinen schwachen
Momenten sehnt sich
der Schäferhund nach
der Geborgenheit und
Wärme der Schafherde.
In seinen starken Stunden
verachtet er deren
stinkige Enge.
Oder ist es anders herum?

 

Das verirrte Schaf
vergißt seine Angst
vor dem Schäferhund,
solange die Furcht vor
den Wölfen überwiegt.
Zurück bei der Herde
blökt es gemeinsam
mit den anderen wider
den Retter.

 

Wie leicht fällt es,
daß ein oder andere
Mal gegen die
Ungerechtigkeit
anderer vorzugehen.
Wie schwer fällt
dagegen der beständige
Kampf gegen eigene
Selbstgerechtigkeit.

 

Zu der Gleichung einer
Existenz, die weit außerhalb
ihres Verstehens liegt,
addieren die Menschen
gerne ein paar Probleme hinzu.

Die Gleichung wird dadurch
zwar leicht lösbar,
aber das Ergebnis falsch.

 

“Angriff ist die
beste Verteidigung“
sagte er und überfiel
den Irrsinn.

 

… und waren einander
ihre gerechte Strafe.

 

Es ist erstaunlich
und beruhigend zugleich,
wieviele Steppenwölfe
auf einmal blöken
und nach Schaf stinken.

 

Die Wahrheit sucht
sich ihren Weg wie das Wasser,
mal ruhig als Bächlein
dahinfließend, mal im
tosenden Gereisse des
Wasserfalls, dann wiederum
versickert unterirdisch
weiterfließend, um an
anderer Stelle sprudelnd
hervorzuquellen.

 

Der Irrtum, wir seinen
für die Wahrheit da
und nicht etwa diese
für uns, entsteht wohl
in der Pubertät, geht
aber nicht unbedingt
mit ihr zuende und hält
sich bei den Philosophen
am längsten.

 

Es kann genauso viel
Überwindung kosten,
zu genießen,
wie auf Genuß zu
verzichten.

 

Mich faszinieren
besonders die
Formen kollektiver
Individualität.

 

Wie verachtenswert
sind die vermeintlichen
Geburtshelfer der Wahrheit,
die mittels Zange nur
Kadaver ans Licht zerren.
Die lebendige Wahrheit
dagegen gebiert sich selber.

 

Gegen die Unbilden
der Welt und
Mitmenschen gibt
es keinen Schutz
für die Seele,
der nicht zugleich
auch Kerker wäre
für diese.

 

Schlechte Händler
waren die Generationen,
die “Lebensart” gegen
“Lifestyle” und “Verehrer”
gegen “Lover” eingetauscht
haben.

 

Komplimente sind
Bindeglieder
zwischen
Wahrheit
und
Lüge.

 

Was zur Ausnahme taugt,
taugt noch lange nicht
zur Regel.

 

Wie beneide ich Cyrano
de Bergerac darum,
daß er in der Illusion
leben konnte, es läge
alles nur an seiner
großen
Nase.

 

Die erhabene Stärke
verbindet die Stärke
des Starken mit der
Stärke des Schwachen.
Und die Stärke des
Starken ist seine Stärke
und die Stärke des
Schwachen ist seine
Schwäche.

 

Die finstersten Momente
sind die, in denen das
Mitleid versiegt und
allein übrigbleibt
die Verachtung für das
miese Spiel kleiner
Seelen.