Diskriminierung - Diskrimination


 

Wir leben in einer Zeit “politischer Korrektheit”, in der man weder “Zigeuner”, “Eskimo” noch “Neger” sagen darf.


Jetzt heißt es im Restaurant “Sinti-und-Roma-Schnitzel”, beim Kajakfahren “Inuit-Rolle” … und der “Negerkuss” heißt jetzt “orale-Zuneigung-stärker-pigmentierter”.


Das Problem ist aber, dass Worte mit Meinungen und Vorurteilen verwechselt werden.

Dass kein Unterschied gemacht wird zwischen Diskriminierung und Diskrimination.

Eine Aufgabe der Worte einer Sprache aber ist gerade die Diskrimination, die Unterscheidung!

Dazu sind Worte da, damit wir uns sinnvoll unterhalten können! Schwarz ist schwarz und weiß ist weiß, mehr nicht.


Die Bewertung des Benannten kann auch durch Worte erfolgen, wenn man beim Asperger-Syndrom z.B. von “Störung” oder “Disorder” spricht. Damit ist eine Wertung verbunden.


Doch es kann auch das Gegenteil der Fall sein, wenn Simon Baron-Cohen lange über den Sinn redet, statt Autistic-Spectrum-Disorder von Autistic-Spectrum-Condition zu sprechen.

Aber wenn ich dann ASC sage statt ASD, jedoch behaupte, dass Autisten ein “Lack of empathy” hätten und dieses als Ursache für das Böse in der Welt benenne (Simon Baron-Cohen: Zero Degrees of Empathy: A new theory of human cruelty and kindness) , dann diskriminiere und stigmatisiere ich eine ganze Gruppe von Menschen – trotz wohlklingender Bezeichnung dieser Menschen!


Oder wenn Sie der Meinung sind, dass “Zigeuner” faul, dumm und asozial sind, dann ändert sich nichts, wenn Sie zwar die Bezeichnung zu  “Sinti und Roma” wechseln, nicht aber Ihre Einstellung. Hinzu kommt, dass dergleichen Vorurteile selbsterfüllend sind. Mit den Vorurteilen gegen Sinti und Roma schaffe ich sozio-ökonomische Strukturen, die den Betroffenen den Weg zu Bildung, sozialer Teilhabe, Arbeit … verwehren.


Vorurteile und Diskriminierung entstehen durch eine gruppenspezifische Sicht, eine “in-group”-Sicht, in der man sich von der “out-group” abgrenzt.

Die negativen Verhaltensweisen von out-group-Mitgliedern werden der ganzen Gruppe zugerechnet und stärker gewertet als negatives Verhalten von Mitgliedern der eigenen Gruppe.

Dazu haben z.B. H. Tajfel und J.C Turner interessante Untersuchungen durchgeführt.


Da Autisten aber keiner Gruppe zugehören (siehe unter Gruppe und “no-group”) sind ihnen Vorurteile und Diskriminierungen fern. Siehe den oft von mir zitierten Aufsatz "Die Entdeckung von Aspie" von Carol Gray und Tony Attwood. “Frei von Vorurteilen aufgrund des Geschlechts, des Alters oder der Kultur; Fähigkeit, andere so zu akzeptieren, wie sie sind”.

 

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Gerade gefunden, passend zum Thema:

 

http://www.sueddeutsche.de/panorama/anti-preis-an-marius-jung-ich-dachte-zuerst-es-ist-ein-scherz-1.2008172

Zitat:

Haben Sie einen Lieblingswitz?

Der stammt von Woody Allen: Fährt ein Schwarzer U-Bahn und liest eine jüdische Zeitung. Kommt ein Weißer zu ihm und sagt: Neger allein reicht dir wohl nicht.